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Autismus & Zwangsstörung: Warum es schwer wirkt – und warum es trotzdem Hoffnung gibt 08. September 25

Viele Eltern von Kindern mit Autismus erleben irgendwann, dass sich zusätzlich Zwänge einschleichen. Das fühlt sich oft wie eine doppelte Last an. Routinen, Ängste, Rituale – was gehört zum Autismus, und was ist eine Zwangsstörung? Die Unsicherheit ist groß, und die Angst wächst: „Wie sollen wir das schaffen?“ Von einer Mutter die das kennt! Die gute Nachricht ist: Auch wenn Autismus und Zwangsstörungen zusammen sehr komplex wirken – es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Forschungen und praktische Erfahrungen zeigen: OCD kann auch bei autistischen Kindern behandelt werden. Der Schlüssel liegt in der Anpassung. Klassische Therapie-Methoden wie Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP) funktionieren, aber sie müssen auf den autistischen Lernstil zugeschnitten werden: klare Sprache, visuelle Hilfen, kleine Schritte. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Familienarbeit. Eltern neigen verständlicherweise dazu, Zwänge zu erleichtern – aus Liebe und Fürsorge. Doch genau das hält di...

Vom Kämpfen, Hoffen und Glauben – Mein Sohn bekommt eine Chance

Ich schreibe diesen Blogartikel mit Tränen in den Augen. Tränen der Erleichterung. Der Dankbarkeit. Und ja – auch des Stolzes. Denn mein Sohn – mein wunderbarer, kluger, feinfühliger autistischer Sohn – hat es geschafft! Wir haben es geschafft!  Er darf im September eine Online-Ausbildung beginnen. Finanziert über das Arbeitsamt im Reha-Status. Und ich möchte unsere Geschichte erzählen. Nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern, um anderen Eltern Mut zu machen. Denn der Weg war alles andere als leicht. Ein Kind, das nicht ins Raster passt Mein Sohn war nie wie andere. Er konnte mit drei fließend sprechen, aber verweigerte den Kindergarten. Er hatte ein unglaubliches Wissen über Technik, IT und Computersysteme – aber schaffte es nicht, morgens in die Schule zu gehen. Zu laut. Zu viel. Zu unverständlich. Er wurde als „verhaltensauffällig“ abgestempelt, aber niemand sah, wie sehr er kämpfte, jeden Tag. Wie klar er in seinen Gedanken war. Wie sensibel für Ungerechtigkeit. Wie sehr er sich...

Mika 2024 – Wenn Autismus nicht das Problem ist, sondern die Welt da draußen 1. Versuch einer Rehabilitation

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht damit: Mika hat es geschafft. Wir haben es geschafft. Wieder mal. Aber auf welchem Weg – das muss man erzählen. Mika ist 14. Ein Teenager. Ein Junge mit Spezialinteressen: Musik, Zeichnen, PC. Einer, der sich selbst Keyboard beigebracht hat, der Tracks produziert, der sich Videos auf Englisch anschaut, obwohl nie jemand mit ihm Englisch geübt hat. Ein Kind, das sich ständig selbst etwas beibringt – wenn man ihn nur lässt. Er hat klare Vorstellungen. Vom Leben. Vom Alltag. Von dem, was geht – und was gar nicht. Langärmlige Kleidung geht gar nicht. Berührungen auch nicht. Gesichter, Mimik, Gestik – schwer. Spontanität? Fast unmöglich. Mika nimmt alles wörtlich. Und ich nehme ihn wörtlich. Weil ich ihn kenne. Weil ich weiß, dass sein „Nein“ ein echtes Nein ist – nicht ein „vielleicht“. Dass sein „Ich kann das nicht“ kein Bock ist – sondern eine Reizblockade. Und trotzdem hat er es geschafft. Trotz seiner Ängste. Trotz der Welt, die ihn ...

Titel: Rückblick 2015 – Als wir lernten, Mikas Welt zu verstehen

Manche Jahre brennen sich tief in die Erinnerung. 2015 war so ein Jahr. Es war das Jahr, in dem wir langsam begannen zu verstehen, dass unser Weg nicht der Norm folgen würde. Und es war das Jahr, in dem ich anfing zu begreifen, dass mein Sohn Mika seine ganz eigene Sprache hat – eine Sprache jenseits der Worte. Lisa, unsere Spielraumhelferin, hat uns in diesem Jahr intensiv begleitet. Und in ihrem Jahresbericht steckt so viel Wahrheit, dass es mir heute – Jahre später – immer noch die Kehle zuschnürt, wenn ich ihn lese. Mika war damals fünf Jahre alt. Und voller innerer Gegensätze. Einerseits wollte er spielen, lachen, entdecken. Andererseits überforderte ihn alles, was neu war – Menschen, Räume, Geräusche, selbst Kleidung. Jeder Tag war ein Balanceakt: zwischen Nähe und Rückzug, zwischen Struktur und Freiheit, zwischen Vertrauen und Überforderung. Er konnte nicht sagen, was ihn störte – also schrie er. Er wollte dazugehören – aber nicht angefasst werden. Er suchte Kontakt – und musste...

Wenn ein Gutachten alles zerstört – wie wir durch die Jugendhilfe fallen gelassen wurden 2024

Es gibt Erlebnisse, die brennen sich so tief ein, dass man sie nie mehr vergisst. Der Tag, an dem ich das Gutachten der vom Jugendamt beauftragten Psychiaterin in den Händen hielt, war so ein Tag. Ich wusste: Das wird alles verändern. Und leider nicht zum Guten. Ich bin Mutter eines autistischen Kindes. Mein Sohn ist hochfunktional, hochsensibel, klug – und ein Mensch mit ganz speziellen Bedürfnissen. Seine Zwangshandlungen, seine Reizoffenheit, seine tiefe Überforderung mit dem Lärm und Chaos in der Schule – all das haben wir gemeinsam getragen. Jahre lang. Ich habe gekämpft, organisiert, beantragt, dokumentiert – und immer gehofft, dass Hilfe kommt. Richtige Hilfe. Nicht Kontrolle. Nicht Druck. Nicht Drohungen. Und dann kam das Gutachten. Eine Psychiaterin, die ihn nie wirklich kannte. Ein paar Gespräche (sie hatte 3 mit meinem Sohn)– und ein Urteil, das uns den Boden unter den Füßen wegriss: Plötzlich galt nicht mehr, was unsere vertrauten Therapeut:innen, sein Schulbegleiter, die L...

Alleingelassen im System – ein Hilfeschrei einer Mutter - Schulpflichtbefreiung / Online-Beschulung 2023 bis jetzt

Ich bin die Mutter eines wunderbaren, hochintelligenten, hochsensiblen Jungen. Mein Sohn ist Autist. Er leidet unter Zwangsstörungen, einer posttraumatischen Belastungsstörung, emotionalen Erschöpfungszuständen. Und er hat mich gebraucht. Aber ich frage mich immer wieder: Wo war das System, das uns hätte auffangen sollen? Seit Oktober 2023 versuche ich, Hilfe zu bekommen. Keine Almosen, sondern rechtlich zustehende Eingliederungshilfe. Ich habe geschrieben, gefleht, erklärt. Ich habe Atteste, Gutachten, Stellungnahmen gesammelt – die alle das Gleiche sagen: Mein Sohn kann nicht mehr in die Schule gehen. Es ist für ihn eine Qual. Eine Gefahr für seine psychische Gesundheit. Und trotzdem: nichts. Ein monatelanges, kafkaeskes Hin und Her. Anträge werden ignoriert, verschleppt, zerpflückt. Alles, was ich vorschlage – wird zerredet. Selbst als die Schule meines Sohnes offen zugab, dass die Inklusion gescheitert ist und Online-Beschulung für ihn der beste Weg wäre, hat das Jugendamt gezögert...

17. Dezember 2012 – Als mir klar wurde, dass mein Kind anders ist

Es war ein Montag. Der 17. Dezember 2012. Stuttgart, Olgahospital. Ein Tag, den ich nie vergessen werde. Ich war mit Mika dort. Mein Sohn. Damals gerade zweieinhalb Jahre alt. Zart und irgendwie… anders. Nicht krank. Nicht böse. Nicht zurückgeblieben. Aber auch nicht „wie andere“. Ich war diejenige, die es gesehen hat. Die es gespürt hat. Lange, bevor ein Arzt das Wort „Autismus“ in den Mund nahm. Die ersten Auffälligkeiten – als die Welt zu laut wurde Mika war noch sehr klein, als mir auffiel, dass er Lärm nicht ertragen konnte. Nicht im Sinne von „Mag ich nicht“, sondern auf eine Art, die ihn körperlich zusammenbrechen ließ. Das Geräusch eines Staubsaugers – als würde es ihm wehtun. Das Quietschen von Schuhen in einem Flur – und er zuckte zusammen. Menschenansammlungen – und Mika wurde panisch. Er reagierte mit Schreien, Zittern, Rückzug oder Flucht. Manchmal schmiss er sich auf den Boden. Manchmal versteckte er sich. Und oft war er danach stundenlang erschöpft – wie nach einem körpe...

Januar 2013 – Zwischen Verantwortung, Erschöpfung & unerschütterlicher Liebe

Es war Winter. Und während draußen die Welt zwischen Schneematsch und grauem Himmel stillzustehen schien, tobte drinnen ein Alltag, der alles andere als still war. Ich war allein mit drei Kindern. Laney, meine älteste Tochter – mitten in der Pubertät. Luis, noch klein und wild. Und Mika, mein Sohn, mein Rätsel, mein größter Lehrer. Autistisch. Hochsensibel. Unfassbar klar und gleichzeitig unerreichbar in sovielen Momenten, wie nicht hier. Ich war alleinerziehend und in Berlin, wir waren von Stuttgart nach Berlin gezogen, nach der Geburt von Luis 2012. In Fellbach / Stuttgart hatte mir der Vermieter die Wohnung gekündigt, weil die Nachbarn den Kinderwagen und den "Lärm" der Kinder nicht wollten. Eine meiner besten Freundinnen hatte uns bei sich aufgenommen, wir lebten da auf 3 Zimmer zu siebt. Von Dezember 2012 bis März/ April 2013. Die Wohnung nach einem Wasserschaden im Juni 2013 gerade wieder halbwegs bewohnbar. Und trotzdem: Ich hatte Hoffnung. Ich wollte etwas verändern. ...

März 2015 – Zwischen Polizei, Piraten und dem Wunsch nach Ruhe

Es war das Frühjahr 2015. Mika war klein – äußerlich. Aber in ihm tobte eine Welt, die größer war als viele Erwachsene sie je verstehen würden. Er war vier. Und er war bereits so viel mehr: ein Träumer, ein Denker, ein Rückzugsmeister, ein Forscher. Und er war autistisch. Damals wussten das viele noch nicht. Einige wollten es nicht wissen. Aber ich wusste: Mika braucht mehr – nicht weniger. Spielzeit ist nicht nur Spiel – sie ist ein Fenster in die Seele Dreimal die Woche kam jemand zu uns. Zwei bis vier Stunden. Ein vertrautes Gesicht. Jemand, der nicht bewertet, nicht fordert, nicht drängt – sondern spielt. Spielzeit war Mikas sicherer Raum. Er spielte gern Polizei gegen Diebe, Ritter, Drachen, Piraten. Fantasie war sein Zufluchtsort. Und doch war jeder neue Vorschlag, jede Umstellung im Spiel, eine potenzielle Krise. Wenn etwas anders war als erwartet – wenn Figuren vertauscht wurden, Regeln sich veränderten, neue Gesichter auftauchten – dann brach seine Ordnung zusammen. Nähe ist e...

April 2017 – Ein Kind zwischen Welten: Mein Leben mit Mika

Der April 2017. Ich weiß es noch genau. Damals dachte ich: Ich habe alles irgendwie im Griff. Und vielleicht hatte ich das sogar – zumindest für einen Moment. Mein Sohn Mika war damals sechs Jahre alt. Gerade frisch eingeschult. Hochsensibel. Hochfunktional. Und zutiefst überfordert von einer Welt, die laut, chaotisch und unberechenbar ist. Mika lebt mit Autismus – auch wenn das zu dieser Zeit noch kaum jemand richtig verstanden hat. Manchmal nicht mal ich. Schule: Ein täglicher Drahtseilakt Mika ging regelmäßig zur Schule – zumindest meistens. Wenn er nicht komplett überreizt war oder schon beim Aufwachen das Gefühl hatte: Heute geht es nicht. Manche Tage begann er zur zweiten Stunde, manche gar nicht. Und wenn er da war, hing alles von seiner Tagesform ab. Ich erinnere mich an Gespräche mit Lehrkräften, an das ständige Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Ich war alleinerziehend mit drei Kindern. Organisierte Spielstunden, Schulweg, Miete, mein neuer Job ab dem 18. April. Immer wied...

Wenn Reisen mehr sind als Orte: Unterwegs mit Autismus und Liebe Winterferien 2025 Reise nach Stuttgart ♥︎

Es war Winter. Eigentlich wollten wir einfach nur weg. Raus. Eine Auszeit. Ein paar Tage. Nichts Weltbewegendes – dachten wir. Und doch wurde es eine Reise, die mich wieder einmal daran erinnert hat: Autismus macht nichts leicht, aber vieles tief. 4 Uhr morgens. Schnee. Sturm. Und zwei Jungs, die mich täglich lehren, was Stärke bedeutet. Wir standen auf – Mika, mein autistischer Sohn, und Luis, sein kleiner Bruder. Beide standen ohne zu murren auf, zogen sich an, obwohl der Tag noch nicht einmal begonnen hatte. Ich war dankbar für diesen stillen Anfang, denn draußen tobte das Chaos. Schneesturm. Keine geräumten Straßen. Die Zeit gegen uns. Unser Ziel? Der Flughafen. Stuttgart. Ein lang geplanter Trip. Ein Hotel. Ein Grab. Eine Freundin aus alten Zeiten. Und vor allem: gemeinsame Zeit. 7 Minuten zu spät. Und alles zerbricht. Wir erreichten den Flughafen – zu spät. Der Check-in war geschlossen. Die Sätze des Eurowings-Mitarbeiters klangen wie ein Urteil: „7 Minuten zu spät.“ Ich konnte e...

Berlin 2017 Mika – Mein Sohn. Mein Weg. Unser Alltag zwischen Licht & Sturm. AUJA.org Spielraumtherapie

Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein Drahtseilakt – vor allem, wenn man Mutter ist. Und noch mehr, wenn man Mutter eines Kindes ist, das die Welt anders wahrnimmt. Ich bin Melanie, alleinerziehend mit drei Kindern. Und Mika – mein Sohn, geboren am 19. April 2010 – hat mein Leben verändert. Tief. Ehrlich. Für immer. Schon früh war klar: Mika ist anders. Nicht weniger. Nicht schwächer. Aber eben anders. Seine Wahrnehmung ist besonders, intensiv, empfindlich. Dinge, die andere kaum berühren, wühlen ihn auf. Geräusche, Menschenmengen, Veränderungen – all das bringt sein Inneres durcheinander. Und doch ist er voller Neugier, voller Fragen, voller liebevoller Eigenarten, die mich staunen lassen. Als er 2016 eingeschult wurde, begann ein neuer Abschnitt – für ihn und für uns alle. Und keiner von uns wusste, wie schwer dieser Weg werden würde. Schule – das war von Anfang an ein Thema voller Ambivalenz. Ich habe so oft versucht, sie ihm näherzubringen: durch Gespräche, Spielstunden, kleine ...

Wenn Schule nicht mehr geht. 8te Klasse Realschule Inklusion November 2023 endgültiges aus.

Ich bin Melanie. Mama von Mika. Und ich schreibe diesen Text nicht aus Wut oder Enttäuschung, sondern weil ich glaube, dass Geschichten wie unsere erzählt werden müssen. Damit andere Eltern sich verstanden fühlen. Und damit sichtbar wird, was es heißt, wenn Schule für ein Kind einfach nicht (mehr) geht. Mika ist 14. Er spricht hervorragendes Englisch – frei, flüssig, sicher. Nicht, weil ihm das jemand beigebracht hat, sondern weil er sich selbstständig mit Dingen beschäftigt, die ihn interessieren. Technik, IT, Sprache – darin geht er auf. Eines Tages hat er sich über eine App auf dem iPad das Keyboardspielen beigebracht. Die App erkannte, ob die gespielten Töne richtig waren, und führte ihn Schritt für Schritt von Kapitel zu Kapitel. Ich werde nie vergessen, wie er mir plötzlich „No Woman, No Cry“ von Bob Marley vorspielte – obwohl er das Lied vorher gar nicht kannte. Es war richtig. Alles daran. Ich war sprachlos. Es war einer dieser Momente, in denen ich dachte: Wow. Was für ein Jun...

Unser Weg mit Mika – Ein Zwischenstand aus dem Alltag mit einem besonderen Jungen ein Bericht der Mutter

Ein Erfahrungsbericht aus dem Jahr 2017 von Mikas Mutter Mika kam im April 2010 zur Welt – ein strahlender Junge mit einem besonderen Blick auf die Welt. Heute, im Jahr 2017, schaue ich als Mutter mit Stolz, Erschöpfung, aber vor allem mit unendlicher Liebe auf die Entwicklungen und Herausforderungen zurück, die wir gemeinsam gemeistert haben. Ein Alltag zwischen Schulbesuch und innerem Widerstand Seit seiner Einschulung im September 2016 hat sich viel verändert. Mika geht regelmäßig zur Schule – mit ein paar Ausnahmen. An manchen Tagen braucht er einfach mehr Zeit und schafft es erst zur zweiten Stunde. Und an Freitagen sagt sein Körper manchmal einfach „nein“. Seine Teilnahme am Unterricht ist stark von seiner Tagesform abhängig. Denn: Mika kämpft nicht gegen Schule – er kämpft mit dem Verlassen des sicheren Zuhauses, mit der Reizüberflutung draußen, mit all den lauten Stimmen in seinem Kopf. Seine Unruhe beginnt oft schon lange, bevor er überhaupt das Haus verlässt. Der Schulstart: ...

Mika – Ein Jahr voller kleiner und großer Schritte Ein persönlicher Rückblick aus dem Spielraumjahr 2015 von Lisa

Als ich Mika im Frühjahr 2014 im Rahmen meines Freiwilligen Sozialen Jahres bei AuJA-Spielräume kennenlernte, war mir noch nicht bewusst, wie sehr mich dieser kleine Junge beeindrucken würde. Seitdem begleite ich ihn regelmäßig drei Mal pro Woche für jeweils zwei bis vier Stunden – mal zu Hause, mal im Kindergarten. In dieser Zeit durfte ich erleben, wie viel Entwicklung in kleinen Schritten möglich ist, wenn Vertrauen, Geduld und echte Beziehung die Basis bilden. Wachstum in Sprache und Sozialverhalten Mika hat sich im letzten Jahr enorm verändert. Seine Fähigkeit, Bedürfnisse zu äußern und Konflikte mit kleinen "Deals" zu entschärfen, ist deutlich gereift. Er erwartet mich inzwischen mit konkreten Spielideen und kreativen Vorstellungen. Die Spielzeit ist für ihn zu einem festen, wichtigen Ritual geworden. Im Spielraum fördern wir gezielt die Interaktion – Blickkontakt, Sprache, Flexibilität und fantasievolles Spiel stehen im Mittelpunkt. Wichtig dabei: alles geschieht auf ...

Kennst Du jemanden?

Seit einem Jahr Zuhause!  Ja mein Sohn legt zwar großen Wert auf die ganz genauen Abläufe seines Alltags, aber der Kontakt zu anderen Menschen oder besser, abstrakter, Personen, sind ihm nicht so wichtig. Aber nicht wichtig, wie mögen, sonder wichtig, wie zuviel für mich. Er hat in der 7ten Klasse einen rießigen Sprung zu seiner Abgrenzung gemacht. Die Inklusion Schule konnte er einfach nicht mehr machen. Nicht weil er dem Unterricht nicht folgen konnte, wegen der Schwierigkeiten des Schulstoffes, nein, die Probleme waren alle Dinge und Sachen, Gegenstände und Geräusche seiner Mitschüler. Auch der Raum oder besser gesagt, die Räume, das ständige Wechseln der Räume zu jeder neuen Schulstunde. Er war zur gleichen Zeit noch in der Tiefenpsychologischen Therapie und wir oder viel mehr ich, versuchte noch durch Neurofeedback schlimmeres abzufedern. Mein Sohn ging nach der Schule erstmal nicht aus dem Auto. Meist blieb er bis zu 3 Stunden im Auto bis er dann im den Pool sprang um sich "...

Montag oder Dienstag oder?

Montag ist wie Dienstag, Dienstag wie Mittwoch bis Freitag und Wochenende, dann alles wieder von vorne. Nach einer weiteren viel zu langen späten Nacht, versuche ich von 4 Uhr früh bis 9 Uhr, 9:30 Uhr zu schlafen. Immer bin ich in Gedanken, mich exakt vorzubereiten auf alle Vorkommnisse und Eventualitäten, die da auf uns treffen könnten. Komplizierter ist das geworden, weil Lukas älter geworden ist und selbstbestimmter. Als er kleiner war, war vieles noch leichter zu lenken, zu umgehen. Mit Belohnung oder liebevoller Verhandlung. Jetzt ist das sehr schwer geworden in die Verhandlung zu gehen, er hat ganz klare Grenzen und diese sind nicht zu umgehen. Zumindest derzeit nicht. Ein Nein ist ein Nein, dass bleibt das auch, egal on ich dann sage, dann gibt es das und das nicht. Lukas fühlt sich auch überhaupt nicht wie ein Kind. Oder ein vergleichbarer Jugendlicher in seinem Alter. Im allgemeinen möchte er mit Teenager als solches nichts zu tun haben. Sie sind im zu laut, zu frech den Erwac...

"Autismus in der Pubertät: Einzigartige Einblicke & Herausforderungen"

Deutsch & Englisch In der Welt meines Sohnes, einem Teenager mit hochfunktionalen Autismus, beginnt ein "normaler" Sonntag nicht um 8 Uhr, sondern um 5 Uhr morgens. Seit seiner Diagnose im Alter von drei Jahren hat sich unser Alltag geprägt von einzigartigen Herausforderungen und Freuden im Umgang mit Autismus. Autismus ist vielfältig und individuell – jeder Autist ist anders! Kennst Du einen Autisten kennst Du einen. Zurück zu unserem Sonntag, der um 14 Uhr (!) für ihn, früh ist. Ein Jugendlicher, der gerne spät ins Bett geht und noch später aufsteht. Doch nun steht er auf und sehnt sich nach seinem "Kaffee", einem Energy Drink, begleitet von Müsli. Seit etwa drei Monaten hat er den oberen Stock nicht mehr verlassen. Alles hat sich verändert, nicht notwendigerweise besser oder schlechter, sondern anders.  Als Kleinkind war das aufgrund seiner fehlenden Sprache sehr schwer und nun ist jeder Tag schwer, wegen seiner vielen Worte. Geballt mit vielen klaren, sehr e...